Warum ist Viagra blau?

Weit über 4.000 Pillen und Tabletten sind in Deutschland zugelassen, die meisten davon sind weiß. Eine aber – und die kennt fast jeder – ist blau. Die Rede ist vom Klassiker der Potenzpillen, von Viagra. Seit 1998 ist das Paradebeispiel der Pharmaindustrie auf dem Markt und sein Entwickler, der amerikanische Konzern Pfizer, verdient sich eine goldene Nase. Die Wirksamkeit ist unbestritten, mehr als drei Viertel aller Patienten bestätigen die Wirkung des Medikaments. So kraftvoll das Präparat ist, so auffällig ist auch sein Äußeres.

Im Gegensatz zu den meisten anderen tablettenförmigen Medikamenten, kommt das gute Viagra nicht im schlichten Weiß daher, sondern in einem auffälligen Blauton. Was hat es damit auf sich?

Von der Entwicklung des Designs

Bis ein Wirkstoff als Medikament tatsächlich auf den Markt kommt, vergehen in der Regel viele Jahre. Im Hause Pfizer war es nicht einmal ein Potenzmittel, das gesucht wurde, sondern ein Präparat, dass den Blutdruck senken sollte. Lediglich aus den Nebenwirkungen, welche von den Testpersonen beschrieben wurde, ließ sich schließen, dass der in den Tabletten enthaltene Wirkstoff Sildenafil vorzüglich gegen Erektionsstörungen eingesetzt werden kann. Der Blutdruck ließ sich damit freilich nicht senken. Bis zur marktreifen Entwicklung dauerte es noch einige Zeit, doch schließlich konnte das Unternehmen der Welt ihr neuestes Potenzmittel präsentieren – Viagra. Erst kurz vor der Freigabe wurde über das Design der Pille entschieden. Fest stand, es musste etwas Besonderes sein, so wie die Pille selbst. Ein gewöhnlicher Weißton kam nicht in Frage. Aus einer Schublade holte das Unternehmen einen alten Entwurf mit einer Rautenform, die Wahl der Farbe bleibt ein Geheimnis.

Der Farbstoff entscheidet

Am Anfang sind alle Tabletten weiß. Die Farbe einer Pille ergibt sich nicht aus dem Wirkstoff, sondern aus einem Farbstoff, der während des Herstellungsverfahrens künstlich zugesetzt wird. Tabletten gibt es somit in weiß, rot, grün, gelb oder sogar rosa. Dem Spielraum sind da kaum Grenzen gesetzt. Insgesamt gibt es 30 verschiedene Lebensmittelfarben, die für die Herstellung von Medikamenten eingesetzt werden dürfen. Tatsächlich ist sogar ein schwarzer Farbton dabei. Doch wer käme schon auf die Idee, eine schwarze Tablette nehmen zu wollen? In der Tat spielt die menschliche Psychologie bei der Auswahl der Farbe eine große Rolle. Viele verbinden mit Medikamenten Reinheit, somit fällt die Wahl sehr häufig auf Weiß. Medikamente, die aus Naturprodukten bestehen, werden oftmals grün eingefärbt. Doch nicht nur die Psyche ist ein wichtiges Kriterium sondern auch der Preis. Weiße Tabletten sind schlichtweg am günstigsten in der Herstellung. Besonders teuer sind dagegen blau und lila gefärbte Pillen. Für Viagra wird seit jeher der Farbstoff E 132 verwendet. Dabei handelt es sich um ein zugelassenes Indigo-Carmin-Aluminium-Salz. Diese Färbung ist zwar deutlich teurer, besitzt jedoch genau aus diesem Grund in der Pharmazie Seltenheitswert.

Wirksames Marketing

An dieser Stelle müssen wir uns immer wieder vor Augen führen, dass Viagra eine Marke ist. Dabei wird nichts dem Zufall überlassen – auch nicht bei der Wahl der Farbe. Dass das Marketingteam für die Potenzpille ganze Arbeit geleistet hat, wird schon darin deutlich, dass jeder Mensch weiß um was es geht, wenn von der „blauen Pille“ oder dem „blauen Wundermittel“ die Rede ist. Sofort erinnern wir uns an Viagra obwohl die meisten die Tabletten noch nie wirklich gesehen haben. Die Wahl der Farbe, die ebenso exzentrische und auffällige Form der Raute und nicht zuletzt das einprägsame Kunstwort selbst haben dem Präparat zu seinem gigantischen Bekanntheitsgrad und somit auch zu seinem Erfolg verholfen.

Geht es auch anders?

Stellt sich nun die Frage, wozu das alles? Hätte das Potenzmittel als einfache runde Tablette in weiß nicht ebenso erfolgreich werden können? Immerhin liegt doch ihr Erfolg in der Wirksamkeit begründet und die lässt sich wohl kaum bestreiten. Über diesen Punkt lässt sich sicher spekulieren. Fakt ist, die Werbung und eine ausgeklügelte Marketingaktion tragen ganz wesentlich zum Erfolg eines Produktes bei. Auch andere Firmengiganten wie Coca Cola setzen ein Millionen schweres Budget allein für die Vermarktung ein, um sich so von ihren Konkurrenten abzuheben und in den Köpfen der Käufer präsent zu bleiben. Auch das Hause Pfizer wird in Zukunft wieder verstärkt in den Geldbeutel greifen, wenn es um die Vermarktung ihres Zugpferdes geht. Seit im Jahr 2013 das Patent der Potenzpille ausgelaufen ist, schießen neuartige Präparate anderer Hersteller wie Pilze aus dem Boden und machen dem Original den Gewinn streitig. Hier heißt es nun, den Bekanntheitsgrad der blauen Pille weiter zu schüren und nicht hinter der Konkurrenz stehen zu bleiben. Auffällig ist, dass auch Viagras Mitbewerber auf ein farbenfrohes Aussehen sowie eine charakteristische Form setzen, doch an das himmelschöne Blau und die klassische Raute kommt bislang noch keiner heran.

Tags: , , , ,

Comments are closed.